Käuze
Von wunderlichen Eskapaden seiner kleinbürgerlichen Ex-Nachbarschaft erzählt der Münchener Kauz-Archivar Kasparak: Herr Klein und Fräulein Schlucker machen Selbst-Zerlegungsanstalten, der Stauber Heinzi ist einer unheilbaren Protokollwut verfallen, der Pfarrer verspielt seine Seele leichtfertig an die Unterwelt... Die ungeheuerlichen Taten seiner Käuze begleitet der Autor mit musikalischen Eigenkompositionen auf der Gebläseorgel seiner Jugend.
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Die Jugend-Gebläse-Orgel |
| 1.
Das schlimme Auf und Ab des Herrn Klein (10 min) |
"Er war so etwas wie der ungekrönte Häuptling der Tollpatschen in unserer Siedlung: Seine Ellenbogen beispielsweise sind immer fahrlässig spitz in die Gegend hinein geragt, so dass der Hausmeister ihn einmal allen Ernstes ermahnt hat, er soll sich jetzt endlich so rote, leuchtende Fähnderl hinhängen an seine Ellenbogen, die man sogar bei Nacht sieht, damit die Nachbarn rund um die Uhr gewarnt sind…" |
| 2. Die rätselhafte
Kehricht-Elfi (15 min) |
"Ihr Schicksal war demjenigen vom Herrn Klein durch und durch ähnlich, als hätt einer vom andern abgeschaut. Bloß richtungsmäßig lagen klare Unterschiede vor: Der Werdegang vom Herrn Klein verlief vertikal, der von der Kehricht-Elfi aber geradezu entgegengesetzt - also rechtwinklig zum Schicksal vom Herrn Klein - in horizontaler Richtung also..." |
| 3. Die Apfelbäuerin
(10 min) |
"Da gab´s nämlich eine alte Bäuerin am Ende von unserer Strass´. Die hat tatsächlich noch in einem Bauernhof gwohnt oder zumindest in so was Ähnlichem - es war vielmehr ein unübersichtlicher Verhau, der am ehesten noch nach Bauernhof ausgeschaut hat. .." |
| 4. Der Pullover-Raimund
(10 min) |
"Da is noch einer körperlich herausgefallen, weil er so groß war: Der Raimund. Der war mehrere Meter lang. Wie lang der genau war, kann ich leider nicht sagen, weil ich damals weder zählen noch messen und schätzen schon gleich gar nicht konnt..." |
| 5. Die letzte
Schlacht des Hausmeisters (10 min) |
"Sein ganzes Geld, was durch seine Hausmeisterei rein kam, hat er in den Ausbau seiner Metall-Armee rein gesteckt. Weil er in seine Wohnung aber niemand rein ließ, hat niemand seine kleinen (Zinn-)Soldaten zu Gesicht gekriegt und darum kannte auch niemand die Truppenstärke seiner Armee..." |
| 6. Der Spielteufel-Kaplan
(10 min) |
"Er war ein Mensch mit einem scharf geschnittenem Mardergesicht, der sich nicht erhaben ruhig durch seine Gemeinde hindurch bewegte. Er war eher ein unruhiger Treibauf, der unbedingt frischen Wind in unsere Glaubensfiliale reinbringen wollt, wo doch der Vorgängerpfarrer kurz vor seinem Abgang noch alle Fenster und Türen hat frisch abdichten lassen…" |
| 7. Die ambitionierte
Frau Kehricht (15 min) |
"Eine, die immer sehr hoch hinaus hat wolln, aber nie so weit oben angekommen is, wie sie sich´s gewünscht hätt´, war die Frau Kehricht. Dass sie mehr aus sich hat machen wollen, kann man irgendwo schon ganz gut nachvollziehen - wer möcht schon so heißen?..." |
| 8. Die unbeliebte
Schlucker-Petra (15 min) |
"Die Schlucker-Petra wenn ein namenloses Findelkind gewesen wär, eine Art weiblicher Kaspar Hauser, ohne Eltern und ohne Stammbaum, dann hätten wir ihr wahrscheinlich genau denselben Namen verpasst, den sie eh gehabt hat: Schlucker. Sie hat nämlich allerhand zu schlucken gehabt…" |
| 9. Der protokollierende
Stauber-Heinz (20 min) Bereits auf |
"Durch seine betont sachliche Art wollte sich der Stauber Heinzi wenigstens äußerlich den Anschein von einem ordentlichen Beamten geben. Darum hat er auch seine Protokolle in einem Ton verfasst, der dermaßen strohtrocken war, dass man nach dem Lesen eines solchen hinterher immer einen halben Liter Wasser trinken musste, um innerlich nicht auszutrocknen..." |
P R E S S E S T I M M E N :
Komische Käuze in der Musik-Kammer
(...) Zur Erstauflage von „Schlichts Wein- und Leseprobe“ hatte
der Literatur-Teil, der Münchner Miniaturen-Meister Bernd Kasparak, neben
jenem äußerst einfach gezimmerten Bücher-Gestell auch seine
recht schräg ins Leben hineingebauten Käuze mitgebracht. Menschen,
die unglückselig mit Rasenmäher der Marke Eigenbau zusammentreffen,
den Tabernakel verzocken oder dermaßen strohtrockene Protokolle von
Stammtischsitzungen verfassen, dass ein halber Liter Wasser danach schon auf
der Zunge verdampft. Drastische Geschichten über dauernde Gestalten,
unterbrochen vom Schnarren einer beinahe schon antiken Gebläseorgel (...)
(Schwäb. Tagblatt, 12.4.2003)
Und nie wieder Kehrwoche
(...) Bernd Kasparak schlug sie alle. Der Münchener mit dem gar nicht
schwäbischen Zungenschlag erzählte von der letzten Schlacht des
Hausmeisters, dessen Zinnsoldaten-Schlachtfeld im Hof sich unter den Strahlen
einer gnädigen Sonne zum Massengrab einer amorphen Zinnplatte verwandelt.
Nicht zu vergessen der progressive Kaplan, der seinen Schäfchen immer
"Bau und Glaube", das christliche Magazin für den Straßenbau unterjubeln
will.
Ist das noch Kleinkunst oder schon Avantgarde? Eher Letzteres - spätestens
dann, wenn Kasparak den Schalter seiner batteriegetriebenen Gebläseorgel
umlegt und seine Geschichten aus einer ebenso grotesken wie leider existierenden
Realität mit "Musik-Miniaturen" unterlegt (...)
(Schwäb. Tagblatt, 15.4.2003)
